Beim Bau-Turbo Forum in Kassel trafen sich vom 16. bis 18. März rund 50 Vertreterinnen und Vertreter aus Kommunen, Bund, Fachpraxis und Zivilgesellschaft. Sie tauschten erste Erfahrungen mit dem seit Ende Oktober geltenden Gesetz zur Beschleunigung des Wohnungsbaus und zur Wohnraumsicherung aus. In Arbeitsgruppen standen die neue Experimentierklausel im Baugesetzbuch, schnellere Genehmigungsverfahren sowie konkrete Fälle aus laufenden Bauanträgen und Projekten im Mittelpunkt. Kommunen berichteten, wie sie die erweiterten Handlungsspielräume des Bau-Turbos bereits nutzen. Diskutiert wurden effizientere Verfahrensorganisation und Wege, um damit mehr bezahlbaren und zugleich ökologisch verträglichen Wohnraum zu ermöglichen. Das Forum ist Teil des Umsetzungslabors, das parallel zum Inkrafttreten des Gesetzes startete. Ziel ist, Praxiswissen zu bündeln, Hürden sichtbar zu machen und Lösungen gemeinsam weiterzuentwickeln. Die Hausleitung des Bundesministeriums betonte die neuen Möglichkeiten zur Beschleunigung von Planung und Genehmigung und den Bedarf, diese in der Praxis konsequent anzuwenden. Aus der Fachpraxis kam der Hinweis: „Entscheidend ist, was in der Praxis passiert.“ Die Stadt Kassel hob den Mehrwert des direkten Austauschs für die Nutzung der rechtlichen Spielräume hervor, auch mit Blick auf Klimaanpassung. Die Ergebnisse fließen in die zweite Phase des Umsetzungslabors ein. In den kommenden Monaten vertiefen beteiligte Kommunen konkrete Anwendungsfälle, tauschen Erfahrungen aus und machen erfolgreiche Ansätze sichtbar. Träger des Umsetzungslabors sind das Bundesbauministerium, die Bauwende Allianz und das Deutsche Institut für Urbanistik.
Zu Jahresbeginn wurden in Deutschland 19.500 Wohnungen genehmigt. Das sind 8,4 Prozent mehr als im Vorjahresmonat, meldet das Statistische Bundesamt. 2025 hatte der Wohnungsbau nach drei Minusjahren erstmals wieder zugelegt. Zuvor hatten höhere Zinsen und Materialpreise viele Vorhaben gestoppt. Der Anstieg nährt Hoffnungen in der Bauwirtschaft und könnte den Wohnungsmarkt später entlasten. Risiken bleiben jedoch hoch: Der anhaltende Irankrieg treibt Kraftstoffpreise und Inflation. Das kann die Europäische Zentralbank zu Zinsschritten zwingen und Baufinanzierungen verteuern. Höhere Energiepreise mindern zudem die Kaufkraft privater Bauherren. Im Baugewerbe entfallen rund 40 Prozent des Energieverbrauchs auf Diesel; Unternehmen spüren das direkt. Die Baukosten stiegen zwischen 2015 und Ende 2023 um etwa 60 Prozent. Nach Gebäudetypen gab es im Januar deutliche Zuwächse: Einfamilienhäuser plus 12,6 Prozent auf 3800 Genehmigungen, Zweifamilienhäuser plus 26,1 Prozent auf 1200. Bei Mehrfamilienhäusern wurden 10.500 Neubauwohnungen genehmigt, ein Plus von 7,1 Prozent. Forscher hatten mit mehr Genehmigungen gerechnet, begünstigt durch milliardenschwere staatliche Maßnahmen sowie stabilere Baupreise und Zinsen. Nach dem Ukrainekrieg hatten Zins- und Kostenanstieg Projekte gebremst; private Käufer und Investoren hielten sich zurück, vor allem die Städte gerieten unter Druck. Die Stimmung im Wohnungsbau hellte sich im Februar weiter auf: Das Ifo-Geschäftsklima stieg um 3,2 Punkte auf minus 17,6. In den Auftragsbüchern zeigt sich die Belebung bisher aber kaum.
In angespannten Wohnungsmärkten wächst das Angebot möblierter Wohnungen deutlich. Ein Beispiel aus Frankfurt zeigt, wie Makler Eigentümern raten, große Wohnungen in möblierte Einzelzimmer aufzuteilen, um Kurzzeitmieter zu bedienen und höhere Erträge zu erzielen. Der Grund: Trotz Mietpreisbremse sind Zuschläge für Mobiliar zulässig und bislang nicht gesondert im Vertrag auszuweisen. Justizministerin Stefanie Hubig will das ändern. Ihr Gesetzentwurf sieht vor, Möbelaufschläge am Zeitwert zu orientieren und auf maximal 5 Prozent der Nettokaltmiete zu begrenzen. Zudem sollen Indexmieten begrenzt und der Kündigungsschutz bei Rückständen gestärkt werden. Befristete Verträge wären nur noch bis zu sechs Monaten und mit einem vom Mieter begründeten Anlass möglich, etwa Projektarbeit oder Praktikum. Über Umfang und Wirkung des Segments gibt es Streit. Kommunen haben keine belastbaren eigenen Daten, Inserate zeichnen aber ein klares Bild: Hohe Warmmieten für kleine, voll ausgestattete Flächen sind verbreitet. Eine BBSR-Studie meldet in Großstädten mit Mietpreisbremse Ende 2024 über 30 Prozent möblierte oder befristete Inserate, 2012 waren es rund 15 Prozent. Sie sieht eine Verlagerung aus dem regulierten in ein intransparenteres Segment. Anbieter widersprechen und sprechen von statistischen Verzerrungen; das BBSR hält die Methodik für belastbar. Parallel professionalisiert sich der Markt: Micro- und Serviced Apartments mit Servicepaketen erzielen „All-in“-Mieten von 30 bis 55 Euro je Quadratmeter. Das Eigentümerpaar im Beispiel entscheidet sich dennoch gegen eine möblierte Vermietung.
In Bayern sind seit vergangenem Herbst Häuser und Bestandswohnungen wieder leicht teurer, Bauland dagegen günstiger. Ein freistehendes Einfamilienhaus kostet im Schnitt 843.000 Euro, das sind 0,6 Prozent mehr. Bestandswohnungen liegen durchschnittlich bei 4.180 Euro je Quadratmeter, plus 0,5 Prozent. Baugrund verbilligte sich auf 875 Euro je Quadratmeter, minus 1,1 Prozent. Nach deutlichen Rückgängen der Vorjahre geht der Markt laut IVD Süd in eine Phase stabiler Preise mit punktuell leichten Anstiegen über. Die Finanzierung bleibt eine zentrale Hürde: Effektivzinsen für zehnjährige Darlehen liegen wieder über vier Prozent. Der Krieg im Iran und die erwartete höhere Inflation könnten Kredite zusätzlich verteuern und die beginnende Belebung am Wohnungsmarkt bremsen. Regional und nach Segment zeigen sich Unterschiede: In bayerischen Mittelstädten stiegen die Preise für Bestandswohnungen um 1,0 Prozent, in Großstädten um 0,7 Prozent. Qualität und Energieeffizienz wirken preistreibend: Gute Lagen und hochwertige Objekte halten stabile bis leicht steigende Preise, sanierungsbedürftige Altbestände mit schwacher Energiebilanz benötigen Preisabschläge. Das Preisgefälle im Land bleibt groß: In München kosten 98 Prozent der angebotenen Bestandswohnungen mehr als 5.000 Euro pro Quadratmeter. Fürth ist unter den großen Städten am günstigsten; 63 Prozent der Angebote liegen unter 4.000 Euro pro Quadratmeter. Rosenheim ist die teuerste Mittelstadt mit mehrheitlich Preisen über 4.500 Euro pro Quadratmeter.
Deutschland steht vor einer möglichen Angebotswelle am Immobilienmarkt. Die geburtenstarken Jahrgänge besitzen einen großen Teil der Eigenheime. Wenn diese Generation in den kommenden Jahrzehnten auszieht, vererbt oder verkauft, kommen viele Objekte gleichzeitig auf den Markt. Millionen Häuser könnten den Besitzer wechseln. Fachleute sprechen von einem „Silver Tsunami“. Der Beitrag skizziert, welche Folgen das für Eigentümer und Käufer haben kann, wo Preisrückgänge drohen und wo Chancen auf günstigere Häuser entstehen könnten, und nennt betroffene Regionen sowie zentrale Kennzahlen.