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JACASA Letter KW36 2026

Björn Kolbmüller Geschäftsführer
5. Sep 2026 / 6 Min. Lesezeit
JACASA Letter KW36 2026

Aktuelle Artikel

Eurozone-Inflation steigt im August auf 3,3 Prozent

Im Euroraum hat sich die Teuerung im August wieder beschleunigt. Nach einer Schätzung von Eurostat stieg die Inflationsrate auf 3,3 Prozent, nach 2,9 Prozent im Juli. Haupttreiber waren die Energiepreise, die sich im Jahresvergleich um 14,3 Prozent verteuerten; im Juli waren es 10,3 Prozent. Dienstleistungen legten um 3,0 Prozent zu, Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak um 1,2 Prozent. Die Entwicklung erhöht den Druck auf die Europäische Zentralbank vor ihrer Zinssitzung am 10. September. Viele Ökonomen rechnen mit einer Anhebung des Leitzinses um 0,25 Punkte auf 2,5 Prozent. Bereits im Juni hatte die EZB den Leitzins erstmals seit fast drei Jahren auf 2,25 Prozent erhöht, ebenfalls als Reaktion auf kriegsbedingt gestiegene Energiepreise. Aus dem EZB-Direktorium kamen zuletzt Hinweise, dass der aktuelle Zins nicht ausreicht, um die Inflation wieder an das Ziel von 2,0 Prozent heranzuführen. In Deutschland zog die Inflationsrate im August auf 2,9 Prozent an. Ausschlaggebend waren teureres Heizen und Tanken. Einen ähnlich starken Anstieg der Verbraucherpreise gab es zuletzt Ende 2023. Die nun gemeldeten Werte beruhen auf vorläufigen Daten und können sich noch ändern.

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EU Data Act stärkt Zugriff auf IoT‑Gebäudedaten

Vernetzte Geräte in Gebäuden erzeugen laufend Daten, die bislang meist in den Clouds der Anbieter liegen. Der EU Data Act (VO 2023/2854) verschiebt dieses Ungleichgewicht. Er ist überwiegend seit 12.9.2025 anwendbar; ab 12.9.2026 müssen neue vernetzte Produkte und verbundene Dienste so gestaltet sein, dass Nutzer standardmäßig einfachen, sicheren und unentgeltlichen Zugriff in einem gängigen, strukturierten, maschinenlesbaren Format erhalten. Für Bestandslösungen gilt seit 9/2025 ein gesetzlicher Herausgabeanspruch gegen den Dateninhaber, möglichst kontinuierlich und in Echtzeit. Nutzer können zudem die direkte Weitergabe an benannte Dritte verlangen. Vernetzte Produkte sind physische Geräte mit Sensorik und Datenübertragung, verbundene Dienste sind eng geknüpfte digitale Angebote wie Cloud‑Auswertungen. Verpflichtet sind Hersteller und Diensteanbieter; Dateninhaber ist, wer die Daten kontrolliert. Ein einfaches elektronisches Verlangen genügt. Bei Verweigerung helfen Gericht, Streitbeilegungsstelle oder Bundesnetzagentur; diese kann Bußgelder bis 500.000 Euro verhängen und die Herausgabe anordnen. Es gibt Schranken: Einwände wegen unverhältnismäßigen Aufwands oder Geschäftsgeheimnissen sind möglich, aber begrenzt. Die DSGVO bleibt anwendbar; personenbezogene Verbrauchsdaten benötigen eine eigene Rechtsgrundlage, oft eine Einwilligung. Nutzungsverbote untersagen etwa die Entwicklung konkurrierender Produkte. Praxisnah zeigt das Messdienstleister‑Szenario: Verbrauchsdaten aus Smart Metern sind Produktdaten, der Anbieter ist meist Dateninhaber. Eine monatliche Portalübersicht reicht nicht; gefordert werden kann eine fortlaufende Bereitstellung über eine standardisierte Schnittstelle. Wo der Data Act nicht greift, helfen klare Vertragsklauseln.

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Wind- und Solarparks drücken Immobilienpreise oft nur leicht

Wind- und Solarparks können Immobilienpreise senken, aber nicht automatisch und nicht stark. Jüngste Auswertungen für Deutschland zeigen im direkten Umfeld meist nur niedrige einstellige Prozentwerte. Eine 2026 veröffentlichte Analyse von Immobilienanzeigen (2009–2021) fand in 1 bis 2 Kilometern Abstand zu Windrädern im Mittel rund minus 2 Prozent, zu Freiflächen-Photovoltaik etwa minus 1,5 Prozent. Eine weitere Studie mit tatsächlichen Kaufpreisen ermittelte bei neuen Windkraftanlagen minus 1,9 Prozent. Eine Metaanalyse von 25 Studien mit 720 Schätzungen kommt nach Bereinigung auf durchschnittlich minus 0,68 Prozent bei einer mittleren Entfernung von rund drei Kilometern; ab etwa 4,5 Kilometern nähert sich der Effekt null. Im Einzelfall weichen Ergebnisse deutlich ab. Entscheidend sind Zahl und Höhe der Anlagen, Sichtbeziehung, Betriebsgeräusche und realer Schlagschatten; bei Solarparks auch Größe, Ausrichtung, Blendung und Eingrünung. Die lokale Marktlage kann Nachteile abmildern. Höhere Abschläge treten vor allem bei besonderen Belastungen auf: In Dänemark wurden bei sehr großen Windrädern bis zu minus 12 Prozent gemessen; in den Niederlanden minus 5,4 Prozent bei Anlagen über 150 Metern innerhalb von zwei Kilometern. Für Solar zeigte England/Wales minus 5,4 Prozent nur bei Häusern bis 750 Metern südlich großer Parks; sonst kein belastbarer Effekt. Auch Ankündigungen wirken: Nach Bekanntwerden eines Projekts sanken Preise teils zunächst, erholten sich nach Inbetriebnahme schrittweise. Fazit: Der Abstand allein erklärt den Wert nicht. Maßgeblich ist, was Käufer auf dem Grundstück sehen, hören und spüren; für Einzelobjekte zählen konkrete Lage, Gutachten, mögliche Erweiterungen und lokale Vergleichsverkäufe mehr als Durchschnittswerte.

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WG-Zimmermieten stagnieren auf Rekordhoch, Preisschub droht

Die Mieten für WG-Zimmer in deutschen Unistädten sind seit 2012 um 80 Prozent gestiegen, während die Verbraucherpreise nur um 36 Prozent zulegten. In Metropolen wie München und Berlin wuchsen die WG-Mieten etwa dreimal so schnell wie die Inflation, in Greifswald und Siegen blieb Wohnen vergleichsweise bezahlbar. Zum Wintersemester 2026 kostet ein unmöbliertes WG-Zimmer standardisiert in München 790 Euro, in Hamburg 659 Euro, in Köln 630 Euro, in Frankfurt 620 Euro sowie in Freiburg und Berlin jeweils 600 Euro. Am günstigsten sind Wolfsburg mit 306 Euro, Greifswald mit 350 Euro und Siegen mit 365 Euro. Im Schnitt der Hochschulstandorte liegt der Standardpreis bei 516 Euro. Das sind 28 Prozent mehr als im Wintersemester 2021 und 17 Euro mehr als 2025. Empirica sieht derzeit eine Seitwärtsbewegung auf sehr hohem Niveau, vor allem in Berlin und München nach den Peaks 2023 und 2024. Der reale Preisrückgang im Inflationsjahr 2022 wurde zeitverzögert aufgeholt. Steigende Anleiherenditen deuten auf höhere Inflationserwartungen, zugleich bleibt der Wohnungsneubau zu schwach. Ohne Entlastung auf der Angebotsseite erwartet Empirica den nächsten Preisschub. Die Auswertung basiert auf mehreren Tausend Inseraten und liefert Standardpreise (Median) für rund 120 Standorte für unmöblierte Warmmieten zwischen zehn und 30 Quadratmetern. Rechtlich üblich sind drei WG-Modelle: Hauptmieter mit Untermietern (Alleinhaftung des Hauptmieters, Wechsel nur mit Zustimmung), gemeinsame Hauptmieter (gesamtschuldnerische Haftung, Änderungen nur gemeinsam) und getrennte Zimmermietverträge (Vermieter wählt Nachmieter, individuelle Kündbarkeit, Verbrauchsabrechnung je Mieter praktisch schwierig).

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Wie die Boomer-Rente Immobilienpreise verändert

Jede Boomer-Kohorte umfasst mehr als eine Million Menschen. Um das Jahr 2040 ziehen viele näher zu ihren Kindern, wechseln in Pflegeeinrichtungen oder sterben. Nach dieser These wird dann eine große Zahl von Häusern und Wohnungen frei. Das kann die Preise auf dem Immobilienmarkt bewegen und sorgt bereits für Unruhe. Der Begriff Silver Tsunami macht die Dimension deutlich, gilt politisch aber als unglücklich. Der Beitrag beschreibt die möglichen Auswirkungen dieser demografischen Verschiebung und skizziert Wege, den Effekt abzufedern oder sogar in eine positive Wohnentwicklung zu wenden.

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Björn Kolbmüller
Björn Kolbmüller ist Gründer und Geschäftsführer von Jacasa mit Sitz in Berlin....
Björn Kolbmüller ist Gründer und Geschäftsführer von Jacasa mit Sitz in Berlin. Er ist seit über 15 Jahren in der Startup-Szene aktiv und beschäftigt sich rund um die Uhr mit dem Thema Immobilien.
Björn Kolbmüller
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