JACASA Letter KW41 2026
Aktuelle Artikel
Viele Immobilienangebote mit schlechter Energieklasse
Schlechte Energieklassen prägen aktuell viele Immobilienangebote. Eine Auswertung von 7.493 Inseraten in 30 Großstädten zeigt: Am häufigsten erscheint Klasse H mit 15,8 Prozent, gefolgt von D mit 12,9 und F mit 12,8 Prozent. Die Topklassen A+ und A erreichen 9,21 bzw. 8,19 Prozent. In 4,03 Prozent fehlt die Klassenangabe. Liegt ein gültiger Energieausweis vor, ist sie Pflicht; bei Verstoß droht ein Bußgeld bis 10.000 Euro. Entscheidend ist die Ausweisart. Beim Bedarfsausweis entfallen 22,86 Prozent auf H und 14,79 Prozent auf G; zusammen gelten damit 37,65 Prozent der Angebote als stark sanierungsbedürftig. Beim Verbrauchsausweis dominieren mittlere Stufen: D mit 24,52 und C mit 19,54 Prozent; A/A+ sowie G/H sind deutlich seltener. Die Heiztechnik bleibt mehrheitlich fossil: 62,3 Prozent der geprüften Objekte nutzen Gas, 16,6 Prozent Öl, 3,7 Prozent eine Wärmepumpe. Seit Juli 2026 gilt das Gebäudemodernisierungsgesetz: Neue Gas- und Ölheizungen sind wieder zulässig, müssen aber ab 2029 schrittweise mit klimaneutralen Brennstoffen betrieben werden. Eine generelle Sanierungspflicht für Wohnhäuser der Klassen E bis H besteht nicht. EU-Vorgaben zur Senkung des Primärenergieverbrauchs greifen ab Ende Januar 2027 zunächst für bestehende Nichtwohngebäude. Energieklassen beeinflussen die Preise deutlich: Ein Haus in D kostet im Schnitt rund ein Drittel weniger als ein vergleichbares in A. Sanierungen für Heizung, Dämmung und Fenster können schnell sechsstellig werden.
Studie schlägt Null Neubau gegen Wohnungsnot vor
Seit Jahren gilt gegen die Wohnungsnot das Mantra vom massiven Neubau. Eine Studie bezweifelt, dass dieser Kurs klug ist. Sie bietet eine radikale Alternative: Null Neubau. Das Motto „bauen, bauen, bauen“ prägt seit 2025 den Ton. Damals forderte Verena Hubertz (SPD) als Bundesbauministerin, die Bagger müssten wieder rollen. Die Studie stellt diesen Ansatz grundsätzlich infrage und rückt den Blick weg vom reinen Neubaufokus. Sie eröffnet die Debatte für andere Wege, den Wohnraummangel zu lindern.
Schlechte Expo-Real-Stimmung, Chancen für starke Investoren
Zum Start der Expo Real in München werden rund 42.000 Fachbesucher und über 1700 Aussteller aus 70 Ländern erwartet. Dennoch ist die Stimmung deutlich schlechter als im Vorjahr. Eine Befragung der Messe München unter mehr als 400 Ausstellern zeigt: Nur 23 Prozent blicken optimistisch nach vorn, im Vorjahr war es fast doppelt so viel. Als Hauptgründe nennen 95 Prozent die wirtschaftliche und politische Lage in ihren Heimatländern. 93 Prozent verweisen auf gestiegene Kreditzinsen. Gleichzeitig sehen Teile der Branche Chancen für den Markteinstieg. In Toplagen gelten Mieten weiterhin als stabil, etwa in München. Einige Akteure sprechen von „Einstiegsszenarien“. Die Lage unterscheidet sich je nach Marktsegment und Standort.
Vier Hebel für mehr Investitionen in Gebäudesanierungen
Deutschland braucht mehr private Investitionen in die energetische Ertüchtigung von Gebäuden. Die BEG-Förderung bleibt zentral, doch höhere Zuschüsse sind begrenzt. Vier flankierende Hebel sollen die Investitionsbereitschaft steigern. Erstens: Verlässliche Orientierung und stabile Politik. Positive Kommunikation zur Modernisierung, klare Ziele wie das Nullemissionsgebäude im GModG und Planungssicherheit sind entscheidend. Dazu gehören ein KTF ohne Mittelabflüsse in den Kernhaushalt und eine bis mindestens 2035 verlängerte BEG-Richtlinie. Zweitens: Stärkere Unterstützung vor Ort. Regionale Anlaufstellen für Beratung und Umsetzung sollen mit Ländern, Kommunen, Verbraucherzentralen und Energieagenturen zügig aufgebaut und Best Practices skaliert werden. Die BauGB-Novelle soll Hürden für Modernisierungen abbauen und energetische Sanierungsgebiete auf Basis von Wärmeplänen erleichtern. Das gefragte KfW-Programm „Energetische Stadtsanierung“ sollte erhalten bleiben. Drittens: Die Vertriebskraft des Finanzsektors nutzen. KfW-Refinanzierungen für bankeigene Energiespardarlehen mit festen Konditionen können bei steigenden Zinsen die Nachfrage stützen. Viertens: Energiedienstleister als Umsetzungspartner einbinden. Sie bieten Planung, Umsetzung, Betrieb und bei Bedarf Vorfinanzierung aus einer Hand und brauchen gleichberechtigten Zugang zur Förderung; die öffentliche Hand sollte sie stärker nutzen. So kann jeder Förder-Euro mehr Wirkung entfalten, ohne Verbote und mit geringem Zusatzaufwand.
Expo Real 2026 setzt auf Resilienz statt Nachhaltigkeit
Die Expo Real 2026 zeigt einen Stimmungswechsel. Nicht Nachhaltigkeit prägt die Debatten, sondern Resilienz: Sicherheit, Energie- und Wasserversorgung sowie belastbare Netze. Die Messe bleibt groß, doch zwei Hallen blieben ohne Aussteller. Das Umfeld ist rau. Investoren verlangen höhere Risikoprämien, Preise geben nach. Mit steigenden Zinsen und Neubewertungen wächst das Risiko notleidender Kredite; internationale Käufer warten auf Gelegenheiten. Zugleich sinkt in vielen Portfolios die Immobilienquote, Kapital fließt in „Infrastruktur“ – von Rechenzentren bis Betreiberimmobilien, teils ohne einheitliche Definition. Asset-, Facility- und Property-Management sollen dafür Kompetenzen aufbauen. ESG gilt als gesetzt, doch energetische Sanierungen scheitern oft an der Finanzierung; aus Brüssel wird im kommenden Jahr ein neuer Vorschlag erwartet. Resilienzthemen drängen: In den Niederlanden verhindern überlastete Stromnetze neue Projekte, in Deutschland fehlen mancherorts gesicherte Wassermengen, Wasser wird zum Engpass der nächsten Jahre. Beispiele wie gemeinsame Entsalzungslösungen in Ferienregionen zeigen den Trend. Aus Berlin hallt die Debatte um mögliche Vergesellschaftungen großer Wohnungsunternehmen nach. Hoffnung richtet sich auf kostengünstigere Bautypen wie den Gebäudetyp E.