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JACASA Letter KW42 2026

Björn Kolbmüller Geschäftsführer
17. Okt 2026 / 10 Min. Lesezeit
JACASA Letter KW42 2026

Aktuelle Artikel

Bundesregierung plant Gasreserve per Umlagefinanzierung

Die Bundesregierung will eine nationale Gasreserve für Krisenfälle einrichten. Das Wirtschaftsministerium hält an der Finanzierung über eine Umlage fest. Ein Referentenentwurf sieht vor, dass private Haushalte pro Jahr 3,77 bis 7,20 Euro zahlen. Bei 20.000 Kilowattstunden wären es 5,80 bis 7,20 Euro, also 0,03 bis 0,04 Cent je Kilowattstunde. Insgesamt werden die jährlichen Kosten für die ersten zehn Jahre mit 247 bis 308 Millionen Euro veranschlagt. Die Reserve soll 24 Terawattstunden umfassen und einen Ausfall der größten deutschen Gasimport-Infrastruktur für 30 Tage abfedern. Sie ist für Extremfälle wie Sabotage oder den Ausfall wichtiger Leitungen gedacht. Eingesetzt werden darf die Reserve nur nach Ausrufung der Notfallstufe. Dann entscheidet die Bundesnetzagentur über die Nutzung. So sollen Abschaltungen in der Industrie oder Eingriffe in private Gasbestände vermieden werden. Die Gasreserve soll die gesetzlichen Speicherfüllstände ersetzen, die nach dem Ausfall russischer Lieferungen 2022 eingeführt wurden und am 31. März 2027 auslaufen. Ein Gutachten im Auftrag des Ministeriums sieht feste Füllvorgaben als Hemmnis für eine effiziente, marktbasierte Wintervorsorge. Die erste Umlageperiode soll am 1. Oktober 2027 beginnen. Ministerin Katherina Reiche hatte zwischenzeitlich auch eine Finanzierung aus dem Bundeshaushalt oder ein Mischmodell geprüft. Die Grünen unterstützen den Umlageansatz, bemängeln aber den späten Start.

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Bundesrat plant Besteuerung von Immobiliengewinnen ohne Frist

Gewinne aus privaten Immobilienverkäufen könnten künftig unabhängig von der Haltedauer steuerpflichtig werden. Ein Vorschlag des Finanzausschusses des Bundesrats für das Einkommensteuerreformgesetz 2027 sieht vor, die bisherige Zehnjahresfrist zu streichen. Veräußerungsgewinne wären dann mit dem persönlichen Einkommensteuersatz zu versteuern. Die Ausnahme für selbst genutztes Wohneigentum soll bleiben, aber präziser gefasst werden: gefordert ist eine durchgehende Eigennutzung von 36 Monaten, mit einer Toleranz von sechs Monaten bis zum Verkauf. Verkäufe infolge Trennung oder Scheidung an den Ex-Partner sollen der Eigennutzung gleichgestellt bleiben; die Überlassung an Kinder gilt ebenfalls weiterhin als Eigennutzung. Eine klare Übergangsregel ist vorgesehen: Am Tag der Gesetzesverkündung bereits länger als zehn Jahre gehaltene Objekte können weiterhin steuerfrei verkauft werden. Läuft die Frist an diesem Stichtag noch, greift die neue Besteuerung vollständig. Ein Steuerexperte warnt, dass so auch bereits entstandene Wertzuwächse erfasst würden und Verkaufsentscheidungen unattraktiver werden könnten. Das könnte Transaktionen verzögern und das Angebot an Bestandsimmobilien verringern. Preise lassen sich laut Experte nicht pauschal vorhersagen; in knappen Märkten könnte der Preisdruck steigen, sonst sinkt eher die Nettorendite der Verkäufer. Politisch ist der Weg offen: Der Bundesrat berät am 16. Oktober. Ein früherer Bundestagsantrag zur Abschaffung der Frist war gescheitert, Bundesratsdruck könnte die Debatte im Reformgesetz jedoch neu beleben.

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EH55-Neubauförderung bis Jahresende gesichert

Die Bundesregierung stockt die Mittel für den klimafreundlichen Neubau auf. Das Programm für Effizienzhäuser des Standards EH55 wäre sonst vor Jahresende ausgeschöpft gewesen. Mit dem Zusatzbudget bleibt die Förderung bis zum Jahresende verfügbar, damit Bauherren mit genehmigten Vorhaben nicht ausgebremst werden. Über die genaue Höhe der zusätzlichen Mittel machte das Bauministerium keine Angaben. Auch die weitere Entwicklung der KfW-Zinssätze ist offen. Gefördert wird der Neubau von Häusern, die nur 55 Prozent der Energie eines Referenzgebäudes verbrauchen und zu 100 Prozent mit erneuerbaren Energien heizen. Öl- und Gasheizungen sind ausgeschlossen. Die Unterstützung erfolgt über zinsverbilligte KfW-Kredite; bei Antragstellung muss die Baugenehmigung bereits vorliegen. Die Nachfrage nach EH55-Förderung hat zuletzt deutlich angezogen. Nach Angaben des Ministeriums sind rund 52.100 zuvor nur genehmigte, aber nicht begonnene Wohnungen inzwischen in der Umsetzung. Branchenverbände begrüßen den Schritt. Ohne Aufstockung wäre das ursprünglich veranschlagte Budget von 800 Millionen Euro schon in Kürze aufgebraucht gewesen, was zusätzliche Unsicherheit im Wohnungsbau geschaffen hätte. Der GdW rechnet mit etwa 250 Millionen Euro Extra-Mitteln. Parallel steigen die Baupreise weiter. Im August lagen die Kosten für neue Wohngebäude 5,5 Prozent über Vorjahr. Besonders verteuerten sich Dach-, Zimmerer- und Holzbauarbeiten; Mauer- und Betonarbeiten legten moderater zu. Im Innenausbau trieben Elektro- und Heizungsanlagen die Preise.

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Sicherheit entscheidet über Wohnzufriedenheit in Großstädten

Eine neue Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung zeigt: Rund 70 Prozent der Großstadtbewohner bewerten ihr Wohngebiet positiv. Entscheidend ist weniger die Stadt als der Stadtteil. Die Spannbreite innerhalb einer Stadt ist groß: In Quartieren mit niedriger SGB‑II‑Quote urteilen 93 Prozent positiv, in Vierteln mit hoher Quote nur 47 Prozent. Auch die Fluktuation wirkt: In stabilen Quartieren liegt der Anteil positiver Bewertungen über 80 Prozent, bei mittlerer oder hoher Fluktuation jeweils bei rund 70 Prozent. Der stärkste Einzelhebel ist das Sicherheitsempfinden. Wer sich sicher fühlt, bewertet sein Wohnumfeld zu 73 Prozent positiv, wer sich unsicher fühlt, nur zu 27 Prozent. „Sicherheit ist kein Soft-Faktor.“ Gemeinschaft zahlt ebenfalls auf die Lagequalität ein: Bei engem Nachbarschaftszusammenhalt sind 83 Prozent zufrieden, bei geringer Vernetzung 49 Prozent. Die Bebauungsstruktur beeinflusst die Werte zusätzlich: In Gebieten mit Einfamilienhäusern liegt die Zustimmung bei etwa 90 Prozent, in Mehrfamilienhausgebieten bei knapp 62 Prozent, in gemischten Quartieren bei rund 40 Prozent. Lärm, Luftverschmutzung und fehlende Grünflächen drücken die Zufriedenheit deutlich. In benachteiligten Stadtteilen kumulieren diese Belastungen häufig mit hoher Fluktuation und sozialer Segregation. Praktische Folgerungen der Studie: Lagequalität mit belastbaren Stadtteildaten belegen, Sicherheit aktiv thematisieren, stabile Nachbarschaften als Qualitätsmerkmal kommunizieren und Problemlagen realistisch einpreisen oder mit Gegenmaßnahmen adressieren. Basis der Analyse sind SOEP‑Befragungen 2026, verknüpft mit kommunalstatistischen IRB‑Daten.

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Mietrechtsreform 2026: Anhörung zeigt zentrale Streitpunkte

Der Regierungsentwurf zur Änderung des Rechts der Wohn- und Geschäftsraummiete (Mietrecht II) wurde am 14.10.2026 im Rechtsausschuss angehört. Verbände und Opposition kritisierten zentrale Vorhaben, die Koalition verhandelt weiter. Geplant sind klare Regeln für die Kurzzeitvermietung: Verträge höchstens sechs Monate, einmalig verlängerbar auf bis zu acht Monate bei unerwartetem Mehrbedarf; bei Überschreitung greifen automatisch Mietpreisbremse und übriger Mieterschutz. Beim Möblierungszuschlag sollen Vermieter in angespannten Märkten Zuschläge offenlegen und nach einer gesetzlichen Methode am Zeitwert der Möbel bemessen; für voll möblierte Wohnungen wäre eine Pauschale von zehn Prozent der Nettokaltmiete möglich. Ohne Auskunft gilt die Miete als für eine unmöblierte Wohnung. Indexmieten sollen gedeckelt werden: Steigt der Verbraucherpreisindex über drei Prozent, bleibt die Hälfte des Überschusses unberücksichtigt; das soll für neue und bestehende Verträge gelten und auch bei Deflation wirken. Die Schonfristzahlung soll einmalig auch eine ordentliche Kündigung wegen Rückstands heilen. Zudem wird die Wertgrenze für das vereinfachte Modernisierungsverfahren nach § 559c BGB auf 20.000 Euro erhöht. Weitere Punkte: Ausweitung von „Kauf bricht nicht Miete“, digitale Belegeinsicht in der Gewerbemiete, Stärkung des Belegeinsichtsrechts im Wohnraum, dreimonatiger Minderungsausschluss bei Heizungseinbau, bessere Datengrundlagen für Mietspiegel. IVD und Haus & Grund lehnen Teile als praxisfern und investitionsfeindlich ab. Die Union fordert Entschärfungen. Justizministerin Hubig drängt auf zügige Einigung. Änderungen im Verfahren sind möglich.

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IW-Analyse: Wo Babyboomer-Verkäufe Immobilienpreise drücken

Bezahlbarer Wohnraum ist in vielen Großstädten knapp. Der demografische Wandel könnte das Angebot in den nächsten Jahren erhöhen. Viele Eigentümer der geburtenstarken Jahrgänge gehen in Rente, die Kinder sind ausgezogen, ihre Häuser und Wohnungen kommen nach und nach auf den Markt. Fachleute sprechen vom Silver Tsunami. Das Institut der deutschen Wirtschaft hat für den Verband der Sparda-Banken berechnet, welche regionalen Effekte zu erwarten sind. Die Analyse zeigt für alle 400 Landkreise und kreisfreien Städte, wo zusätzliche Verkäufe die Preise unter Druck setzen könnten und wo die Nachfrage stark genug bleibt, um das zu dämpfen. Die Auswirkungen fallen je nach Region sehr unterschiedlich aus.

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Neubau-Rekord, Bestandspreise unter Vorjahr im EPX

Der Wohnimmobilienmarkt zeigt im September 2026 ein geteiltes Bild. Der Europace Hauspreisindex (EPX) sinkt zum Vormonat um 0,35 Prozent auf 221,77 Punkte, liegt im Jahresvergleich aber noch 0,84 Prozent im Plus. Neue Ein- und Zweifamilienhäuser erreichen mit 245,80 Punkten ein Rekordhoch (+0,22 Prozent zum Vormonat, +2,92 Prozent zum Vorjahr). Eigentumswohnungen verlieren auf 218,39 Punkte (-0,66 Prozent) und liegen 0,53 Prozent unter Vorjahr. Bestehende Ein- und Zweifamilienhäuser fallen auf 201,12 Punkte (-0,69 Prozent) und damit erstmals seit Monaten wieder leicht unter das Vorjahresniveau (-0,12 Prozent). Laut Europace erschwert das Zins- und Kostenumfeld den Zugang zum Eigentum. „Neubau wird für viele Haushalte immer schwerer finanzierbar.“ Bei den Marktdaten der Value AG driften Angebots- und Abschlusspreise auseinander: Die Transaktionspreise für Eigentumswohnungen und Bestandshäuser gaben im September nach, während Verkäufer bei Häusern an den Angebotspreisen des Frühjahrs festhalten. Dort steigen die Angebotspreise seit April leicht und liegen im Jahresvergleich um 1,9 Prozent höher. Bei Eigentumswohnungen sinken die Angebotspreise den vierten Monat in Folge um jeweils rund 0,3 Prozent; die Jahresrate beträgt nur noch 0,3 Prozent und ist damit so schwach wie seit Ende 2024 nicht mehr. Bauzinsen von wieder über vier Prozent vergrößern die Preisschere. Die Angebotsmieten bewegen sich im September seitwärts; im dritten Quartal liegen sie rund vier Prozent über dem Vorjahr, mit spürbar abgeflachter Dynamik über den Sommer.

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Angebotsmieten steigen schneller, Berlin und Düsseldorf vorn

Die Wohnungsmieten in Deutschland steigen wieder schneller. Laut Kiel Institut erhöhten sich die Angebotsmieten im dritten Quartal gegenüber dem Vorquartal um 1,2 Prozent; das ist der kräftigste Zuwachs seit dem ersten Quartal des Vorjahres. In den acht größten Städten verzeichneten Berlin (+2,1 Prozent) und Düsseldorf (+2,0 Prozent) die stärksten Anstiege. Im zweiten Quartal hatte der Zuwachs noch 0,8 Prozent betragen. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum lagen die Mieten von Juli bis September nominal 3,7 Prozent höher. Besonders dynamisch entwickelten sich Bestandswohnungen. Sie sind meist günstiger als Neubauten und derzeit stark nachgefragt. Der Jahresvergleich blendet saisonale Effekte aus, die im Quartalsvergleich eine Rolle spielen können. Im Jahresvergleich führt Hamburg mit einem Plus von 6,7 Prozent. Außerhalb der acht größten Städte legten Bochum, Augsburg und Mannheim mit Zuwächsen zwischen 6,3 und 5,0 Prozent am stärksten zu. Gründe für die Entwicklung nannte das Institut nicht. Das Kiel Institut wertet Mieten in 37 Städten und Regionen aus, darunter die 30 bevölkerungsreichsten Städte. Der Mietpreisindex Greix bildet damit vor allem die Entwicklung in Großstädten ab und basiert auf Immobilienmarktdaten aus mehr als 100 Quellen.

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Björn Kolbmüller
Björn Kolbmüller ist Gründer und Geschäftsführer von Jacasa mit Sitz in Berlin....
Björn Kolbmüller ist Gründer und Geschäftsführer von Jacasa mit Sitz in Berlin. Er ist seit über 15 Jahren in der Startup-Szene aktiv und beschäftigt sich rund um die Uhr mit dem Thema Immobilien.
Björn Kolbmüller
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