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Der Lageplan: Alles Wichtige auf einen Blick

Lisa Ihle Online Redakteurin
29. Jun 2024 / 11 Min. Lesezeit

Ein Lageplan enthält amtliche Informationen über ein Grundstück und ist besonders wichtig, um eine Baugenehmigung zu erhalten. Doch werden in diesem Zusammenhang auch weitere Karten, wie Flur- und Liegenschaftskarte genannt. In diesem Artikel erfahren Sie alles Wichtige über den Lageplan: Was er ist, was die Unterschiede zu anderen Karten ist, wofür er gebraucht wird und wie Sie einen Lageplan erhalten können.

Definition

Der amtliche oder auch katasteramtliche Lageplan enthält wichtige Informationen über das Grundstück. Er zählt zu den entscheidenden Dokumenten um ein Bauprojekt zu realisieren, da er eine grundlegende Rolle im Baugenehmigungsverfahren spielt. Er dient als erste Vorlage für städtebauliche Vorbescheide, Bauanzeigen und Baugenehmigungen.

Im Wesentlichen besteht der Lageplan aus einem schriftlichen und einem grafischen Teil. Im schriftlichen Teil wird das Baugrundstück beschrieben und weitere Informationen, wie Name des Bauherrn, angrenzende Grundstücke und mögliche Baulasten, genannt. Außerdem werden bereits im schriftlichen Teil Grund- und Geschossflächen sowie Baumassenzahlen angegeben.

Der grafische Teil ist eine maßstabsgetreue, in Draufsicht dargestellte Wiedergabe des Grundstücks und des geplanten Gebäudes. In der Regel wird der grafische Teil des Lageplans im Maßstab 1:1000 oder 1:500 erstellt und zeigt Einzelheiten wie die Dachform, die Neigung des Daches und die Abstandsflächen. Um den Einfluss des Bauvorhabens zu beurteilen, werden auch die benachbarten Grundstücke und ihre Gebäude in den Lageplan aufgenommen.

Die Grundlage für den Lageplan bildet ein aktueller Auszug aus der Flur- oder Liegenschaftskarte, der sämtliche Flurstücke eines Landes samt ihrer Beschreibung umfasst. Außerdem kann er von einem Architekten dazu verwendet werden, um einen objektbezogenen Lageplan zu erstellen.

Der Lageplan ist das Herzstück jeder Bauantragsdokumentation und bietet einen umfassenden Überblick über die Grundstückssituation. Björn Kolbmüller Björn Kolbmüller Geschäftsführer

Unterschied zwischen Lageplan, Liegenschaftskarte und Liegenschaftsplan

Ein wichtiger Begriff im Zusammenhang mit dem Lageplan ist die Flurkarte. Oftmals werden diese beiden Begriffe verwechselt oder als Synonyme verwendet, obwohl es tatsächlich Unterschiede gibt.

Flur- und Liegenschaftskarte

Die Flurkarte zeigt die Grenzen und Identifikationsnummern der Flurstücke, die einzelnen Grundstücken zugeordnet sind. Somit werden auf der Flurkarte unbebaute sowie bebaute Grundstücke dokumentiert. Als Synonym für Flurkarte wird auch der Begriff Katasteramtkarte verwendet, da die Flurkarte vom Katasteramt erstellt wird. Bei der Liegenschaftskarte handelt es sich hingegen um eine digitalisierte, meist automatisch erstellte Flurkarte.

Während der Lageplan vor allem für Bauvorhaben benötigt wird, dient die Flurkarte zur rechtlichen Absicherung von Eigentumsverhältnissen. Ein weiterer Unterschied besteht darin, dass der Lageplan individuell für das spezifische Baugrundstück erstellt wird. Dennoch gibt es einige Überschneidungen. Zum einen dient die Flurkarte als Basis für den Lageplan und zum anderen sind für die Beantragung einer Baugenehmigung sowohl die Flurkarte als auch ein amtlicher Lageplan notwendig.

Liegenschaftsplan

Die Bedeutung des Liegenschaftsplans ist nicht einheitlich. Im Berliner Vermessungsgesetz (VermGBln) von 1996 wurde in §25 Folgendes festgehalten:

“Der Liegenschaftsplan stellt die räumliche Verteilung der Flurstücke dar, die sich im Eigentum des Landes Berlin, der Bundesrepublik Deutschland, anderer Bundesländer oder anderer Körperschaften des öffentlichen Rechts befinden.”

Die Bezeichnung Liegenschaftsplan wird heute weitgehend als Synonym für den Lageplan sowie Flurplan verwendet.

Ein Plan, auf dem verschiedene Abstände markiert sind. Für den Lageplan sind auch die Abstände zu anderen Bauprojekten wichtig.

Einfacher und qualifizierter Lageplan

Gemäß der Bauvorlagenverordnung (BauVorlVO) ist es bei der Planung eines Bauvorhabens erforderlich, einen einfachen oder qualifizierten Bauplan mit dem Bauantrag einzureichen. Die Anforderungen variieren je nach Bundesland, da die Bauordnungen auf Länderebene festgelegt werden. Einige Bundesländer unterscheiden dabei zwischen einem qualifizierten und einem einfachen Lageplan.

Bestandteile: Einfacher Lageplan

  • Maßstabangaben und Lage der Himmelsrichtungen
  • Informationen zum Grundstück wie Gemeinde, Straße, Hausnummer, Grundbuchnummer, Gemarkung, Flur und Flurstück
  • Informationen über die Eigentümer/Erbbauberechtigten
  • Flächeninhalt Grundstücks
  • Katastergemäße Grenzen des Grundstücks und der benachbarten Grundstücke
  • Gebäudebestand auf dem Grundstück und auf den benachbarten Grundstücken
  • Ggf. Aufzählung der Baulasten des Grundstücks

Bestandteile: Qualifizierter Lageplan

  • Amtliche Abmessungen des Baugrundstücks
  • Angaben über die Zuverlässigkeit der Grundstücksgrenzen und ihrer Erkennbarkeit vor Ort
  • Informationen über die Eigentümer der benachbarten Grundstücke
  • Angaben zur Vollständigkeit des Gebäudebestandes

Beide Arten von Lageplänen werden normalerweise maßstabsgetreu (üblicherweise 1:200 oder 1:500) gezeichnet. Die Entscheidung darüber, welcher Lageplan dem Bauantrag beigefügt wird, obliegt der zuständigen Baugenehmigungsbehörde.

Gut zu wissen

Im objektbezogenen Lageplan wird das Gebäude gemäß den Architektenzeichnungen in den offiziellen Lageplan eingefügt. Dabei werden auch die erforderlichen Abstandsflächen berechnet, im Plan vermerkt und anschließend in einem Berechnungsprotokoll dokumentiert. Üblicherweise wird der objektbezogene Lageplan vom Bauplaner erstellt, kann jedoch auf Antrag auch vom Katasteramt oder Vermessungsamt angefertigt werden.

Wann wird ein qualifizierter Lageplan gebraucht?

Wie bereits beschrieben ist gemäß der Bauvorlagenverordnung (BauVorlVO) ein einfacher oder qualifizierter Lageplan bei der Planung eines Bauvorhabens erforderlich. Ein qualifizierter Lageplan besitzt eine höhere Rechtssicherheit, weshalb er von den meisten Baugenehmigungsbehörden für Bauvorhaben gefordert wird. Es kann jedoch auch in anderen Situationen sinnvoll sein, einen qualifizierten Lageplan zu beantragen:

  • Bei einer intensiven Bebauung: Wenn das Grundstück vollständig genutzt werden soll, müssen die Grenzen genau vermessen werden. Die digitale Flurkarte weist jedoch oft Ungenauigkeiten an den Grenz- und Eckpunkten auf.
  • Wenn die Parzellierung des Baugebiets noch nicht erfolgt ist: Das bedeutet, dass ein Gebiet vermarktet wird, ohne dass die einzelnen Baugrundstücke festgelegt wurden, oder das Baugebiet noch nicht abgemessen wurde.
  • Baurechtliche Forderung: Wenn ein geplantes Bauprojekt von den Vorschriften des bestehenden Bebauungsplans abweichen soll oder wenn es in einem bereits bebauten Ortsteil realisiert werden soll.
  • Bauvorhaben in Grenznähe: Ist ein Bauprojekt nah an den Grundstücksgrenzen geplant, kann mit Hilfe eines qualifizierten Lageplans erkannt werden, ob die Grenzabstände eingehalten werden.
Ein Beispiel für einen Lageplan

Wer erstellt den Lageplan?

Um einen Lageplan zu erstellen, kann beispielsweise eine CAD-Software verwendet werden, die auch von Architekten genutzt wird. Allerdings ist dies für einen Laien keine einfache Aufgabe. Daher ist es empfehlenswert, einen Fachmann zu beauftragen.

Sie können aber auch in ihrem Bundesland zugelassene, öffentlich bestellte Vermessungsingenieure (ÖbVI) oder Fachleute für Vermessungen beauftragen. Diese nutzen die Unterlagen aus dem Liegenschaftskataster und führen eigene Messungen durch. Oft ist ein Vor-Ort-Termin am Grundstück notwendig, damit die Grundstücksgrenzen genau geprüft werden können. Anschließend wird der amtliche Lageplan im offiziellen Lage- und Höhenbezugssystem erstellt.

Ein Auftrag für einen Lageplan kann meistens online gestellt werden. Informationen zu den in Ihrem Bundesland zuständigen Fachpersonal erhalten sie bei den Katasterämtern der Regionaldirektionen.

Blick auf eine Persond, die an einem Tisch sitzt. Sie tippt auf einem Laptop, der sich vor ihr auf dem Tisch befindet. Sie informiert sich über die Kosten für einen Lageplan.

Kosten

Die Kosten für die Erstellung eines Lageplans können je nach Anbieter und Umfang des Auftrags variieren. Jedoch sind im Wesentlichen der Herstellungswert des geplanten Bauvorhabens und die benötigten Vorbereitungsunterlagen ausschlaggebend. Die Kosten werden gemäß der Kostenordnung für das amtliche Vermessungswesen (KOVerm) festgelegt, die sowohl für Regionaldirektionen als auch öffentlich bestellte Vermessungsingenieure verbindlich ist.

Ein qualifizierter Lageplan enthält in der Regel mehr Informationen als ein einfacher und erfordert zusätzliche Arbeitsschritte. Dies kann sich auch auf die Kosten auswirken. Zusätzlich können weitere Kosten entstehen, zum Beispiel für die Vermessung des Grundstücks vor Ort.

Um einen Überblick über mögliche Preise zu erhalten, ist es empfehlenswert, verschiedene Anbieter zu vergleichen und Angebote einzuholen. Außerdem sollten Sie darauf achten, ob zusätzliche Leistungen wie eine Flurkarte oder bestimmte Grenzen im Preis enthalten sind. Informieren Sie sich am besten direkt beim Katasteramt oder bei spezialisierten Dienstleistern über die genauen Kosten und Leistungen.

Fazit

Ein Lageplan ist ein wichtiger Bestandteil bei der Planung und Umsetzung von Bauprojekten. Er enthält alle relevanten Informationen über ein bestimmtes Baugrundstück, wie zum Beispiel die genauen Grenzen des Grundstücks, die geografische Lage und weitere amtliche Angaben. Außerdem wird zwischen einem einfachen und einem qualifizierten Lageplan unterschieden. Letzerer beinhaltet mehr Informationen und ist rechtsicherer. Außerdem gibt es verschiedene Möglichkeiten, einen Lageplan zu erhalten. Das Katasteramt ist eine Anlaufstelle für das Erstellen von offiziellen Lageplänen. Alternativ dazu können auch private Dienstleister beauftragt werden.

Artikel von
Lisa Ihle
Frau Ihle arbeitet schon seit 2022 als Redakteurin bei JACASA. Hier kann sie ihre Leidenschaft fürs Schreiben mit ihrem Interesse für den Immobilienmarkt, aktuelle Immobilentrends und -enwicklungen vereinen.
Lisa Ihle

Häufig gestellte Fragen – Lageplan

  • Was genau ist ein Lageplan?

    Der Lageplan besteht aus einer grafischen Darstellung und einer schriftlichen Erläuterung eines Grundstücks und der darauf befindlichen Gebäude. Er wird für die Beantragung einer Baugenehmigung oder einer Bauvoranfrage benötigt.

  • Ist Flurkarte gleich Lageplan?

    Eine Flurkarte und ein Lageplan sind nicht dasselbe, obwohl sie ähnliche Informationen enthalten. Eine Flurkarte ist eine detaillierte Darstellung der Grenzen und Eigenschaften eines bestimmten Grundstücks. Ein Lageplan hingegen bietet einen Überblick über die Lage eines Gebäudes oder einer Immobilie in Bezug auf seine Umgebung.

  • Was ist ein Lageplan von einem Haus?

    Ein Lageplan von einem Haus ist eine detaillierte Darstellung des Grundstücks, auf dem das Haus steht. Er zeigt die genaue Position des Hauses in Bezug auf die umliegenden Straßen, Nachbargrundstücke und gegebenenfalls auch Landschaftsmerkmale wie Flüsse oder Berge.

  • Was ist ein einfacher Lageplan?

    Ein einfacher Lageplan ist eine grafische Darstellung eines bestimmten Gebiets oder einer Einrichtung, die Informationen über die räumliche Anordnung von Objekten, Räumen oder Gelände liefert.

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