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Testament: So vererben Sie Ihre Immobilie richtig

Björn Kolbmüller Geschäftsführer
12. Jul 2024 / 22 Min. Lesezeit

Vererben ist eine Entscheidung für die Zukunft. Das Vererben des Immobilienbesitzes sollte daher nicht als eine zufällige Handlung betrachtet, sondern mit einem Testament rechtssicher gemacht werden, schließlich geht es um viel Geld und emotionale Bindungen. Es ist wichtig, sich gut darüber zu informieren und zu verstehen, was notwendig ist, um eine Immobilie richtig auf andere Erbende zu übertragen. Doch wie kann man sicherstellen, dass die Immobilie im Todesfall in die richtigen Hände gelangt und der letzte Wille berücksichtigt wird? Welche rechtlichen Aspekte sind zu beachten und wie läuft das mit der Verwahrung des Testaments ab? All das, sowie die verschiedenen Möglichkeiten der Testamentserstellung, erfahren Sie hier.

Was ist ein Testament?

Ein Testament ist ein wichtiges rechtliches Dokument, das die Verteilung des Vermögens und Eigentums einer Person nach ihrem Tod regelt. Es ist eine Möglichkeit, sicherzustellen, den letzten Willen einer Person zu respektieren und dass der Nachlass auf die gewünschte Weise des Erblassers verteilt wird.

Wichtig zu beachten ist, dass ein Testament nur dann gültig ist, wenn es den gesetzlichen Anforderungen entspricht. Es muss in der Regel schriftlich verfasst und von der Person unterzeichnet werden, die es erstellt hat. Außerdem müssen Zeugen anwesend sein, um das Testament zu bezeugen oder ein Notar, der das Dokument beurkundet.

Gut zu wissen

Ein Testament kann auch Anweisungen enthalten, wie bestimmte Angelegenheiten nach dem Tod der Person behandelt werden sollen. Dies kann beispielsweise die Erziehung von Kindern oder die Pflege von Haustieren betreffen.

Arten von Testamenten

Es gibt verschiedene Arten von Testamenten, die je nach individuellen Bedürfnissen und Umständen gewählt werden können.

Eigenhändiges / handschriftliches Testament: Dieses muss vom Erblasser handschriftlich geschrieben und unterschrieben werden, damit es rechtsgültig ist.

Notarielles Testament: Im Gegensatz zum handschriftlichen Testament wird dieses von einem Notar erstellt und bietet den Vorteil, dass es im Todesfall schnell und unkompliziert vollstreckt werden kann.

Öffentliches Testament: Dieses kann beim Amtsgericht hinterlegt werden, wobei der letzte Wille in Anwesenheit zweier Zeugen mündlich erklärt und vom Richter protokolliert wird. Der Vorteil hier ist, dass es jederzeit geändert werden kann, ohne ein neues Testament schreiben zu müssen.

Des Weiteren gibt es noch ein Nottestament, welches zum Einsatz kommt, wenn sich jemand in einer lebensbedrohlichen Situation befindet (z.B. im Sterben liegt) und keine Möglichkeit hat, ein reguläres Testament zu erstellen. Hierbei wird das Nottestament von Zeugen aufgenommen, die die Umstände bezeugen können.

Rechtliche Grundlagen des Testaments

Die rechtlichen Grundlagen des Testaments sind von entscheidender Bedeutung, um den letzten Willen einer Person umzusetzen. Das deutsche Erbrecht des BGB sieht verschiedene Arten von Testamenten vor, darunter das eigenhändige Testament, das notarielle Testament und das Nottestament. Jede dieser Formen hat ihre eigenen rechtlichen Anforderungen und Voraussetzungen.

Ein eigenhändiges Testament muss vom Erblasser handschriftlich verfasst und unterschrieben werden. Es muss zudem Datum und Ort der Unterzeichnung enthalten.

Das notarielle Testament hingegen wird vor einem Notar entrichtet und auch von diesem beurkundet.

Das Nottestament kann in Notfällen verwendet werden, wenn der Erblasser keine andere Möglichkeit hat, seinen letzten Willen zu dokumentieren.

Ein Testament ist nur dann gültig, wenn es den gesetzlichen Anforderungen entspricht. Ist dies nicht der Fall, kann es für ungültig erklärt werden. Zudem können bestimmte Personen wie Ehepartner oder Kinder des Erblassers einen Pflichtteil am Nachlass beanspruchen.

Die Wichtigkeit für Immobilienbesitzer

Mann an Schreibtisch, der sein Testament bezüglich seiner Immobilie schreibt mit Miniaturhaus in der einen Hand und Stift in der anderen Hand.

Ein Testament ist für Sie als Immobilienbesitzer von entscheidender Bedeutung, da es sicherstellt, dass Ihr Eigentum nach Ihrem Tod gemäß Ihren Wünschen verteilt wird. Wenn Sie kein Testament haben, kann Ihre Immobilie in die Hände von Personen fallen, die Sie nicht möchten oder die möglicherweise nicht in der Lage sind, Ihre Immobilien zu verwalten.

Es gibt Ihnen auch die Möglichkeit, bestimmte Anweisungen zu geben, wie Ihre Immobilien aufgeteilt werden sollen. Dies kann dazu beitragen, Streitigkeiten zwischen Ihren Erben zu vermeiden und sicherstellen, dass jeder das bekommt, was Sie ihm zugedacht haben.

Darüber hinaus kann ein Testament auch dazu beitragen, Steuern und andere Gebühren zu minimieren. Wenn Sie keine klaren Anweisungen hinterlassen haben, kann dies zu einer höheren Steuerbelastung führen und Ihre Erben finanziell belasten.

Der Pflichtteil

Wer als Immobilienbesitzer ein Testament verfasst, sollte sich auch mit dem Thema des Pflichtteils auseinandersetzen. Der Pflichtteil ist in Deutschland gesetzlich geregelt, steht den gesetzlichen Erben zu und beträgt die Hälfte des gesetzlichen Erbteils. Auch, wenn der Erblasser in seinem Testament jemanden enterbt hat, haben die gesetzlichen Erben Anspruch auf ihren Pflichtteil.

In Bezug auf Immobilien gilt ebenfalls der Pflichtteilanspruch für Enterbte. Allerdings muss der Pflichtteil nicht zwangsläufig in Form von Geld ausgezahlt werden. Es besteht auch die Möglichkeit, dass der Enterbte seinen Pflichtteil in Form einer Immobilie erhält.

Für Immobilienbesitzer bedeutet dies jedoch eine Einschränkung ihrer Testierfreiheit. Denn wer beispielsweise sein Haus oder seine Wohnung einem anderen Erben vermachen möchte, muss sicherstellen, dass der Enterbte seinen Pflichtteil andersweitig erhält.

Es gibt jedoch Möglichkeiten, den Pflichtteilanspruch zu umgehen oder zumindest zu minimieren. Eine Möglichkeit ist die Schenkung von Vermögen zu Lebzeiten. Hierbei wird Vermögen bereits zu Lebzeiten an die gewünschten Erben, wie zum Beispiel Kinder oder Ehegatten, übertragen und somit fällt es nicht mehr in den Nachlass. Dadurch kann der Pflichtteilanspruch reduziert werden.

Eine weitere Möglichkeit ist die Testamentsgestaltung. Hierbei kann beispielsweise ein Vermächtnis formuliert werden, welches dem Enterbten einen bestimmten Betrag oder eine bestimmte Sache zuspricht. Dadurch wird der Pflichtteilanspruch nicht berührt und dennoch können andere Erben frei über das geerbte Eigentum verfügen.

Das richtige Testament für Immobilieneigentümer

Für Immobilieneigentümer gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten: das notarielle Testament und das eigenhändige Testament.

Notarielles Testament

Der Vorteil eines notariellen Testaments ist, dass es in der Regel rechtssicherer ist als das eigenhändige Testament. Der Notar übernimmt die Aufgabe, das Testament auf seine formale und inhaltliche Richtigkeit zu prüfen, wodurch vermieden wird, dass später Streitigkeiten um die Gültigkeit des Testaments entstehen. Außerdem ist hierbei die Eintragung einer Grundschuld im Grundbuch möglich. Dies kann sinnvoll sein, wenn eine Person als Erbe eingesetzt wird, die nicht selbst Eigentümer der Immobilie werden soll.

Eigenhändiges Testament

Das eigenhändige Testament hingegen bietet den Vorteil, dass es kostenfrei erstellt werden kann und keine Notartermine notwendig sind. Allerdings müssen hierbei bestimmte Formvorschriften beachtet werden, damit das Testament später gültig ist.

Tipp: Für welche Form Sie sich entscheiden, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Wenn Sie aber als Immobilieneigentümer sicherstellen möchten, dass Ihr letzter Wille ohne Zweifel umgesetzt wird, wird das notarielle Testament empfohlen. So können Sie sicher sein, dass Ihre Hinterbliebenen im Falle Ihres Ablebens keine unliebsamen Überraschungen erleben werden.

Gut zu wissen

In Fällen, in denen kein Testament oder Erbvertrag vorhanden ist, kommt oft eine Erbengemeinschaft zustande. Das bedeutet, dass die Erbengemeinschaft gemeinsam das Eigentum an den Immobilien übernimmt und keine einzelne Erbe alleine über den Nachlass entscheiden kann. Beschlüsse bezüglich der Immobilie müssen in solchen Fällen einstimmig oder mehrheitlich getroffen werden, was das Potenzial für Konflikte erheblich erhöht. Schwierige Situationen ergeben sich auch dann, wenn einer der Erben die Absicht hat, die Immobilie zu bewohnen, während den anderen Erben eine Nutzungsentschädigung zusteht.

Darauf sollten Sie als Immobilienbesitzer beim Testament schreiben achten

Es gibt einige wichtige Aspekte, auf die Sie als Immobilienbesitzer beim Schreiben Ihres Testaments unbedingt achten sollten. Vor allem sollte es so formuliert sein, dass das Potenzial für Streitigkeiten unter den Erben weitestgehend minimiert wird, denn die Wahrscheinlichkeit von Konflikten ist bei Immobilien höher als bei beweglichen Nachlassgegenständen, da Immobilien aufgrund ihrer Natur nicht einfach aufgeteilt werden können. Es ist daher von großer Bedeutung, dass Sie sich ausreichend Zeit nehmen und sorgfältig überlegen, wie Sie Ihr Erbe regeln möchten. Auch professionelle Hilfe durch einen Notar oder Anwalt kann hier hilfreich sein.

Rechtsgültigkeit: Zunächst einmal sollten Sie sicherstellen, dass Ihr Testament rechtsgültig ist. Das bedeutet, dass es schriftlich verfasst sein muss und von Ihnen persönlich unterschrieben wurde. Zudem sollte es am besten in Anwesenheit von zwei Zeugen unterzeichnet werden, um möglichen Streitigkeiten vorzubeugen.

Erben festlegen: Ein weiterer wichtiger Punkt ist die genaue Festlegung Ihrer Erben und Vermächtnisnehmer. Hierbei sollten Sie bedenken, dass es neben Ihren direkten Angehörigen auch andere Personen oder Organisationen gibt, die für eine Erbschaft in Frage kommen könnten. Legen Sie daher genau fest, wer welche Anteile an Ihrem Vermögen erhält.

Regelung des Nachlasses: Besonders wichtig ist bei Immobilienbesitzern auch die Regelung des Nachlasses Ihrer Immobilie. Hierbei können verschiedene Optionen in Betracht gezogen werden: Eine Möglichkeit wäre beispielsweise die Übertragung der Immobilie auf einen oder mehrere Erben. Eine andere Option wäre die Einrichtung eines Wohnrechts für einen bestimmten Zeitraum oder die Veräußerung der Immobilie zu Lebzeiten.

Regelung von Schulden: Es ist wichtig, im Testament klar und eindeutig festzulegen, wie mit Schulden umgegangen werden soll. Hierbei können verschiedene Optionen in Betracht gezogen werden, wie zum Beispiel die Tilgung der Schulden vor dem Vererben der Immobilie oder eine sogenannte Vermächtnisregelung, bei der festgelegt wird, wer die Immobilie erben soll und wer für die Begleichung der Schulden aufkommen soll.

Bestimmung eines Testamentsvollstreckers: Um sicher zu stellen, dass der letzte Wille in guten Händen liegt, sollte ein Testamentsvollstrecker bestimmt werden. Dieser sorgt für eine reibungslose Abwicklung bei der Umsetzung des letzten Willens.

Als Immobilienerbe ins Grundbuch eintragen lassen

Wenn Sie eine Immobilie geerbt haben und ins Grundbuch eingetragen werden möchten, ist dies ein wichtiger Schritt, um Ihr Erbrecht zu sichern und Ihre Rechte als Eigentümer zu schützen. Denn eine Eintragung im Grundbuch gibt Ihnen das Recht, die Immobilie zu verkaufen oder zu vermieten und alle damit verbundenen Entscheidungen zu treffen.

Außerdem können Sie sicher sein, dass niemand anderes Anspruch auf die Immobilie erhebt oder versucht, sie ohne Ihre Zustimmung zu verkaufen oder zu verändern. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die Eintragung im Grundbuch ein komplexer Prozess sein kann. Es erfordert eine gründliche Überprüfung der relevanten Dokumente und möglicherweise die Unterstützung eines erfahrenen Anwalts oder Notars.

Der Erbschein

Ein Erbschein ist ein wichtiges Dokument, welches im Todesfall eines Verwandten ausgestellt wird. Mit diesem Schein können die Erben ihr Erbrecht offiziell nachweisen und somit Zugang zu den Vermögenswerten des Verstorbenen erhalten. Ohne einen gültigen Erbschein kann es jedoch schwierig sein, an das geerbte Eigentum heranzukommen. Der Erbschein gilt auch als Nachweis für den Grundbucheintrag, um sich zu legitimieren.

Instagrambeitrag @ihrerbe_ihrrecht
"Den Antrag muss man beim zuständigen Nachlassgericht oder bei einem Notar stellen. Die Angaben müssen an Eides statt versichert werden. Die Kosten richten sich nach dem Nachlasswert."

Es gibt verschiedene Arten von Erbscheinen, je nachdem, ob der Verstorbene ein Testament hinterlassen hat oder nicht. Wenn ein Testament vorhanden ist, muss dieses zunächst bei einem Notar eröffnet werden, bevor der Erbschein ausgestellt werden kann. Bei einer gesetzlichen Erbfolge hingegen wird der Erbschein direkt von einem Nachlassgericht ausgestellt.

Ein falscher oder gefälschter Erbschein kann strafrechtliche Konsequenzen haben. Auch eine fehlerhafte Ausstellung des Scheins kann zu Problemen führen und im schlimmsten Fall sogar dazu führen, dass die Gültigkeit des Testaments angefochten wird.

Verwahrung und Einsicht in das Testament

Schublade von einem antiken Schreibtisch mit goldenem Schlüsselloch.

Da das Testament ein wichtiger Bestandteil der Nachlassregelung ist, sollte es unbedingt sorgfältig aufbewahrt werden. Wichtig ist, dass es im Todesfall schnell gefunden werden kann. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten.

Amtsgericht oder Notar: Eine Möglichkeit ist die Verwahrung beim Amtsgericht oder einem Notar. Hier wird das Testament in einem besonderen Safe aufbewahrt und kann im Todesfall von den Erben eingesehen werden.

Zuhause: Auch die Aufbewahrung zuhause ist möglich, jedoch sollte darauf geachtet werden, dass das Dokument an einem sicheren Ort aufbewahrt wird und nicht verloren geht oder beschädigt wird.

Vertrauensperson: Eine Verwahrung bei einer Vertrauensperosn ist ebenfalls möglich, wie beispielsweise bei einem Anwalt oder einem Bankberater.

Wer das Testament einsehen darf, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Grundsätzlich haben nur die Erben ein Recht auf Einsichtnahme. Aber auch Personen, die im Testament bedacht wurden, haben unter Umständen ein Recht auf Einsichtnahme. Es kann jedoch vorkommen, dass das Testament unter Verschluss gehalten wird und erst nach dem Tod des Testators geöffnet wird.

Testament ungültig oder nicht vorhanden

Ist das Testament ungültig oder nicht vorhanden, kann es zu einer Reihe von Problemen kommen. Denn ohne ein gültiges Testament gibt es keine klaren Anweisungen darüber, wie das Vermögen des Verstorbenen aufgeteilt werden soll. Dies kann zu Konflikten zwischen den Erben und möglicherweise sogar zu gerichtlichen Auseinandersetzungen führen. Es kann außerdem dazu führen, dass die Wünsche des Verstorbenen nicht erfüllt werden.

In solchen Fällen greift automatisch die gesetzliche Erbfolge. Das bedeutet, dass das Vermögen des Verstorbenen nach einem festgelegten Schema aufgeteilt wird. Die gesetzliche Erbfolge berücksichtigt jedoch nicht unbedingt die individuellen Wünsche des Verstorbenen und kann daher zu unerwünschten Ergebnissen führen, weshalb es wichtig ist, dass frühzeitig ein Testament geschrieben wird, welches den gesetzlichen Anforderungen entspricht.

Oder aber es kommt zur Bildung einer Erbengemeinschaft. Das bedeutet, die Erbengemeinschaft wird gemeinschaftlicher Eigentümer der Immobilie, aber keiner der Erben besitzt die alleinige Befugnis, über den Nachlass zu entscheiden. Entscheidungen müssen einstimmig oder durch mehrheitliche Zustimmung entschieden werden.

Gut zu wissen

Ein ungültiges Testament kann aus verschiedenen Gründen entstehen, zum Beispiel wenn es nicht ordnungsgemäß unterzeichnet wurde oder der Verstorbene zum Zeitpunkt der Unterzeichnung nicht in der Lage war, klare Entscheidungen zu treffen.

Wie lange ist ein Testament gültig?

Ein Testament ist in der Regel gültig, solange der Verfasser lebt und es nicht widerruft oder ändert. Auch nach dem Tod des Verfassers bleibt das Testament gültig und wird vom Nachlassgericht umgesetzt. Es gibt jedoch bestimmte Fristen, die beachtet werden müssen, um sicherzustellen, dass das Dokument seine Gültigkeit behält. So muss das Original des Testaments innerhalb einer bestimmten Frist beim Nachlassgericht eingereicht werden.

Auch können Erben Einspruch erheben, wenn sie der Meinung sind, dass es ungültig ist oder sie darin benachteiligt wurden. In diesem Fall kann es zu einem langwierigen Rechtsstreit kommen. Um sicherzustellen, dass ein Testament seinen Zweck erfüllt und die Wünsche des Verfassers umsetzt, sollte es regelmäßig überprüft und gegebenenfalls angepasst werden.

Testament vom Notar oder selber schreiben?

Wenn es um die Erstellung eines Testaments geht, stehen viele Menschen vor der Frage, ob sie es selbst schreiben oder einen Notar damit beauftragen sollten. Da es eine rechtliche Wirkung hat und im Ernstfall darüber entscheidet, wer was erbt, sollten Sie hier keine Kompromisse eingehen.

Ein Notar ist ein ausgebildeter Fachmann auf dem Gebiet des Erbrechts und kennt sich mit den gesetzlichen Vorgaben aus. Er kann sicherstellen, dass das Testament formal korrekt ist und somit auch vor Gericht Bestand hat. Zudem kann er bei Unklarheiten oder Fragen zur Verfügung stehen und gegebenenfalls auch als Zeuge auftreten.

Selbstverständlich können Sie auch ein eigenes Testament verfassen. Doch hier besteht die Gefahr von Formfehlern oder unklaren Formulierungen, die im Ernstfall zu Streitigkeiten führen können. Zudem müssen Sie bedenken, dass das eigene Testament nicht notariell beglaubigt ist und somit leichter angefochten werden kann.

Kosten für ein Testament

Die Kosten können je nach Art und Umfang des Testaments variieren. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, ein Testament zu erstellen, wie beispielsweise das handschriftliche Testament oder das notarielle Testament.

Das handschriftliche Testament ist die kostengünstigste Variante, da es ohne die Hilfe eines Notars erstellt werden kann.

Möchten Sie lieber ein notarielles Testament, muss dies von einem Notar aufgesetzt werden. Das bedeutet, Sie müssen die Arbeit des Notars vergüten. Diese Kosten richten sich nach dem vererbten Vermögenswert. Hier wird zusätzlich noch zwischen einem Einzeltestament oder dem Berliner Testament unterschieden, denn für ein Einzeltestament müssen Sie die einfache Gebühr zahlen, beim Berliner Testament hingegen die doppelte Gebühr.

Soll das Testament amtlich hinterlegt werden, kommt laut Gerichts- und Notarkostengesetz (GNotKG) eine Pauschale von 75,00 € auf Sie zu. Zusätzlich werden 15,00 € für die verpflichtende Registrierung beim Zentralen Testamentsregister der Bundesnotarkammer berechnet.

Gut zu wissen

Die Notarkosten für die Testamentserstellung sind steuerlich nicht absetzbar, da es eine reine Privatsache ist.

So läuft eine Testamentseröffnung ab

Bei der Testamentseröffnung wird das Testament des Verstorbenen geöffnet, um den letzten Willen des Erblassers zu erfahren. Damit dies geschehen kann, muss zunächst einmal das zuständige Nachlassgericht informiert werden, dass ein Erbfall eingetreten ist. Das Gericht wird dann einen Termin für die Testamentseröffnung festlegen und alle Beteiligten darüber informieren.

Zur Testamentseröffnung werden in der Regel alle Erben sowie weitere Personen, die im Testament erwähnt sind, geladen. Auch ein Notar oder ein Rechtsanwalt kann anwesend sein, um den Ablauf der Testamentseröffnung zu überwachen.

Bei der eigentlichen Testamentseröffnung wird das Testament geöffnet und vorgelesen. Dabei wird auch überprüft, ob das Testament rechtsgültig ist und ob es keine Anhaltspunkte für eine mögliche Anfechtung gibt. Sollte es Unklarheiten geben oder sollten Zweifel an der Gültigkeit des Testaments bestehen, kann dies im Rahmen der Testamentseröffnung geklärt werden.

Die Anfechtung eines Testaments kann erfolgen, wenn Zweifel an seiner Gültigkeit bestehen, beispielsweise bei Verdacht auf Testierunfähigkeit, Irrtum oder Einflussnahme. Erbberechtigte müssen hierfür innerhalb eines Jahres nach Kenntnis des Anfechtungsgrundes beim Nachlassgericht eine Anfechtungsklage einreichen. Gelingt die Anfechtung, wird das Testament ganz oder teilweise für ungültig erklärt, und die gesetzliche Erbfolge oder ein früheres Testament tritt in Kraft.

Nach Abschluss der Testamentseröffnung erhalten alle Anwesenden eine beglaubigte Kopie des Testaments sowie eine Bescheinigung darüber, dass sie bei der Testamentseröffnung anwesend waren.

Das Nachlassgericht eröffnet das Testament, informiert die Erben und gibt ihnen eine Abschrift. Dies setzt den letzten Willen des Verstorbenen rechtlich um. Björn Kolbmüller Björn Kolbmüller Geschäftsführer

Testament widerrufen

Haben sich Ihre persönlichen Umstände geändert oder haben Sie neue Erkenntnisse gewonnen, können Sie Ihr Testament anpassen und das alte somit widerrufen. Vorraussetzung ist allerdings Ihre Testierfähigkeit zum Zeitpunkt des Widerrufs oder der Änderung.

Sie haben nun die Möglichkeit Ihren letzten Willen neu zu verfassen und können darin ausdrücklich erklären, dass das alte Testament widerrufen werden soll. Dies sollte in einer klaren und unmissverständlichen Sprache erfolgen. Wenn Ihre Willenserklärung durch einen Notar erstellt wurde, entstehen allerdings zusätzliche Notarkosten für etwaige Änderungen. Sollte ein durch einen Notar erstelltes Testament amtlich aufbewahrt und anschließend wieder angefordert werden, führt dies automatisch zur Aufhebung der Gültigkeit dieses Testaments. Im Gegensatz dazu kann ein privat verfasstes Testament aus der amtlichen Verwahrung entnommen werden, ohne dass seine Rechtswirksamkeit dadurch beeinträchtigt wird.

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, das alte Testament, welches Sie zum Beispiel zuhause aufbewahren, physisch zu vernichten, also zu zerreißen. Hierbei sollten Sie darauf achten, dass alle Kopien des Testaments vernichtet werden, um Missverständnisse oder Streitigkeiten zu vermeiden. Denken Sie daran, Anmerkungen auf dem Testament wie “überholt” oder “nicht aktuell” sind keine rechtlich wirksamen Formen des Widerrufs.
Handelt es sich um ein Berliner Testament, müssen für jegliche Änderungen beide Erblasser zustimmen.

Gesetzliche Erbfolge durch Testament ändern

Die gesetzliche Erbfolge greift automatisch, wenn es kein Testament gibt. Möchten Sie aber bestimmte Personen begünstigen oder aber auch unliebsame Erben ausschließen, kann die gesetzliche Erbfolge durch ein Testament geändert werden. Denn im Testament können Sie die Nachlassverwaltung individuell gestalten. Einzige Voraussetzung: das Testament muss den formalen Anforderungen entsprechen.

Das Wichtigste zusammengefasst

Ein Testament und ein Erbschein sind wichtige Werkzeuge zur Nachlassplanung und -abwicklung bei Immobilien. Während das Testament den letzten Willen festlegt und die Verteilung der Vermögenswerte regelt, ist der Erbschein notwendig, um die Erbenstellung nachzuweisen und Immobilien offiziell zu übertragen. Beide Dokumente helfen, Streitigkeiten zu vermeiden und eine reibungslose Nachlassabwicklung zu gewährleisten.

Artikel von
Björn Kolbmüller
Björn Kolbmüller ist Gründer und Geschäftsführer der Eigentümer-Makler Plattform Jacasa in Berlin. Er ist seit über 15 Jahren in der Startup-Szene aktiv und beschäftigt sich rund um die Uhr mit dem Thema Immobilien.
Björn Kolbmüller

Häufige Fragen – Testament

  • Kann man ein Testament ohne Notar schreiben?

    Generell kann ein Testament privat geschrieben werden. Hierbei sind allerdings ein paar formelle Dinge zu beachten, damit es am Ende auch rechtsgültig ist. Es muss zum Beispiel vom Erblasser handschriftlich geschrieben und unterschrieben sein sowie Ort und Datum enthalten.

  • Welches Testament bei Immobilien?

    Immobilienbesitzer können zwischen einem handschriftlichen und einem notariellen Testament entscheiden. Sinnvoll ist ein notarielles Testament, da es von einem Notar aufgesetzt wird und in jedem Fall rechtssicher ist.

  • Wer erbt Immobilien mit einem Testament?

    Durch das Aufsetzen eines Testaments kann der Erblasser selber bestimmen, wer die Immobilie erben soll und wer nicht. Gibt es jedoch kein Testament, gilt automatisch die gesetzliche Erbfolge.

  • Welche Kosten für ein Testament?

    Handelt es sich um ein handschriftliches Testament, welches Zuhause aufbewahrt wird, entstehen keine Kosten. Wird es allerdings von einem Notar aufgesetzt und beim Amtsgericht aufbewahrt, werden verschiedene Kosten berechnet. Diese hängen jedoch von dem vererbten Vermögen ab.

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